Wie arbeitet das Lindera Data Science-Team: Eine Frage von Parkinson oder Dominanz?

Machen Ärzte und Pflegekräfte eine Gangbildanalyse, achten sie auf das Mitschwingen der Arme. Als Teil eines geriatrischen Assessments wird dies Millionenfach täglich erprobt. Auch können Auffälligkeiten und Unregelmäßigkeiten bei der Armbewegung ein erstes Zeichen von Parkinson sein. Soweit so gut.

Nur wann beginnt Früherkennung? Was ist wirklich normal? Was sollte genauer untersucht werden?

Unsere Mobilitätsanalysen, die wir über eine Berechnung des 3D Gangbilds machen, zeigen gerade bei der Armbewegung Auffälligkeiten:

Es gibt viele Fälle, in denen ein Arm deutlich weniger Bewegung zeigt als der andere. Der betroffene Arm ist meist der Rechte.

Als eine Erklärung nahm eine Pflegekraft sofort an, dass dies ein frühes Zeichen von Parkinson sei.

Verglichen mit Statistiken zur Diagnosen Parkinson, ist dieses Phänomen aber eigentlich zu häufig. Haben wir also deutlich mehr Parkinson Patienten als diagnostiziert oder gibt es eine andere Erklärung?

Ich stelle die These in den Raum, dass es einen biologischen oder psychologischen Grund dafür gibt.

Auch behaupte ich, dass es hauptsächlich den dominanten Arm betrifft. Denn es geht überwiegend um den rechten Arme und Linkshänder machen nur zehn Prozent der Population aus.

Dieser These gehen wir jetzt nach. Wir integrieren in unseren Mobilitätstest jetzt die Frage nach dem dominanten Arm.

Sind Sie links oder rechts Händer?

Ein Resultat könnte sein, dass wir die Liste der Risikofaktoren ergänzen müssen. Auch könnte es sein, dass wir mit statistischen Mitteln neue, präzisere Wege der Parkinson Früherkennung finden.

Schauen wir uns zunächst eine psychologische Erklärung für das Phänomen an: Ein psychologischer Grund könnte sein, dass sich die Personen der Kamera bewusst sind und aus Unsicherheit ihren Gang verändern. Da sie sich ihres dominanten Arms mehr bewusst  sind, schränken sie diesen mehr als den nicht dominanten Arm ein.

Der biologische Grund könnte hingegen eine Form der Überbelastung sein. Sowas wie ein Tennisarm oder Gelenkverschleiß. Das würde dann hauptsächlich den dominanten Arm betreffen, da dieser öfter benutzt wird. Die Bevorzugung der dominanten Seite könnte sogar im Alter zunehmen, da die Person unsicherer wird, was den eigenen Körper angeht.

Es dürfte schwierig sein den psychologischen Teil als einzigen Faktor zu belegen.

Den biologischen Teil können wir hingegen Schritt für Schritt beweisen, indem wir gezielt nach dem dominanten Armen fragen und die Beweglichkeit messen.

Was heißt das für den Menschen?

Mit der Verwendung von Hilfsmitteln zum Gehen, die auf die Nutzung der Arme basieren, könnte sich eine einseitige Belastung noch verschlimmern und sich sogar auch auf das Rückgrat auswirken. Mit gezielten Übungen, einer geeigneten Rollatoreinstellung und Therapeuten ließe sich ein solches, erhöhtes Sturzrisiko reduzieren.

Wer hätte das mit dem bloßen Auge gesehen und gedacht?

Auf die Ergebnisse bin ich gespannt!