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Eval Lettenmeier mit Navel
Digitalisierung

Künstliche Intelligenz mit Empathie gestalten: Warum Fachlichkeit weiblich ist

LINDERA
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Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Pflege grundlegend – doch wie gestalten wir sie empathisch und nutzerzentriert?

Die Pflegebranche erlebt eine fundamentale Transformation mit Künstlicher Intelligenz (KI). Doch wie stellen wir sicher, dass diese Technologie empathisch bleibt und den Menschen in den Mittelpunkt stellt? Die Antwort liegt in unserer eigenen Gestaltungskraft: Wir als verantwortliche Praktikerinnen und Nutzerinnen müssen die Algorithmen aktiv mitgestalten. Denn letztlich sind Algorithmen nichts anderes als Handlungsvorschriften für unsere Zukunft – und diese sollten wir nicht anderen überlassen.

Der LINDERA x Myneva Ladies Apero auf der Altenpflege Messe 2025 am 9. April zu 15.30 Uhr bietet den Rahmen, um diese Fragen zu diskutieren. In diesem exklusiven Format für weibliche Führungskräfte der Pflegebranche kommen Expertinnen zusammen, um sich zu vernetzen, ihre Erfahrungen zu teilen und die Zukunft der Branche aktiv mitzugestalten. Eine dieser führenden Expertinnen ist Eva Lettenmeier, die im folgenden Interview spannende Einblicke gibt.

Eva Lettenmeier: Expertin für Pflegewirtschaft und Change-Management

Eva Lettenmeier leitet bei contec den Geschäftsbereich Pflegewirtschaft und bringt sich mit ihrer Expertise für die Themenbereiche Personal, Organisation, Digitalisierung, Marketing und Kommunikation übergreifend in alle anderen Beratungsfelder ein. Ihr beruflicher Werdegang zeigt eine konsequente Fokussierung auf Changemanagement und Restrukturierung, gepaart mit einer Hands-on-Mentalität und einem hohen Maß an Lösungsorientierung und Offenheit für Neues - insbesondere KI.


Interview: Eva Lettenmeier im Gespräch mit LINDERA

Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Pflege grundlegend – doch wie gestalten wir sie empathisch und nutzerzentriert?

Eva Lettenmeier: KI verändert alle Bereiche unseres Lebens grundlegend. Und nicht nur die Pflege. Das enthält ein unglaubliches Versprechen, aber auch eine ebensolche Bedrohung, die Angst, dass uns die Kontrolle entgleitet, dass unser Leben jemand bestimmt, den wir nicht kennen, noch nie gesehen haben. Der aber uns kennt. So wie in den sozialen Medien heute, wo was wir sehen und wahrnehmen oder nicht wahrnehmen von Algorithmen entschieden wird.

Die Antwort: Wir müssen die Algorithmen selbst gestalten. Wir als verantwortliche Praktikerinnen. Als Nutzerinnen. Im besten Interesse der Menschen, die wir pflegen, betreuen und unterstützen. Mit Herz und Verstand. Überlassen wir es nicht den anderen, die "Handlungsvorschriften" für unsere Zukunft zu schreiben. Nichts anderes heißt Algorithmus: Handlungsvorschrift.

Warum ist Fachlichkeit besonders weiblich?

Eva Lettenmeier: Fachlichkeit heißt für mich Kompetenz. Was wir schon etwas verallgemeinernd sagen können, dass Frauen sich schwer tun, Kompetenz sagen wir mal zu behaupten, wo sie selbst auch nur den Hauch eines Zweifels an sich selbst haben. Und eindeutig würde ich aufgrund meiner langen Berufserfahrung in einer vor vielen Jahren noch komplett männlichen Welt sagen, dass die doppelte Kompetenz ungefähr halb so viel wog bei Frauen als bei männlichen Kollegen. Da hat sich aber viel geändert. Aber das wichtigste Learning für junge, weibliche Führungskräfte ist immer, dass die von ihnen mit so viel Schweiß und Eifer erworbene Fachlichkeit Euch in den Organisationen auch in die Ecke der "Überzeugungstäter" und manchmal auch "Fachidiotinnen" stellt. Also bleibt immer auch ausgewogen und offen und stellt Eure persönlichen Fähigkeiten nicht in den Hintergrund. Wenn Ihr ganz nach oben wollt, und das sollt Ihr, kann Euch Eure Fachlichkeit am Ende im Wege stehen! 🙂

Welche Führungskompetenzen braucht es für eine zukunftsfähige Branche?

Eva Lettenmeier: Die Pflege hat wirklich das Problem, dass sie viel, viel, viel zu homogen ist. Man kann nur aus der Fachkarriere in die Führungsrolle wechseln und lernt dann so nebenbei in 100 Stunden Fortbildung "Führung". Eine gute Führungskraft muss unbedingt komplett verschiedene Perspektiven gesehen haben, wenn Ihr mich fragt. Idealerweise verschiedene Branchen, Unternehmen, Kulturen. Wie viele kenne ich in der Pflege mit "Kaminkarrieren", die von der Ausbildung bis zur Regionalleitung und noch höher ohne jeden Tapetenwechsel aufgestiegen sind. Ist das gut? Ich glaube nein.

Wenn man wechselt, Expertenfunktionen hat, kleine Teams geleitet, eine Stabsstelle, ein Projekt, wenn man es ohne jede formelle Führungsverantwortung auch geschafft hat, Dinge zu verändern, Menschen zu bewegen, Klarheit zu schaffen – das ist cool. Wir denken in den Organigrammen immer noch total funktional und hierarchisch und nicht in Rollen und Verantwortlichkeiten und gemeinsam performenden Teams. Wer meint, dass er nur führen kann, wenn er auch disziplinarisch die absolute Hoheit hat und die Menschen arbeitsrechtlich bestrafen kann, der sollte keine Führungsrolle anstreben.

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