Gangbildanalyse, individuelle Risikoeinschätzung und maßgeschneiderte Präventionsempfehlungen – wie eine Pflegeeinrichtung in Niedersachsen evidenzbasierte Technologie in den Pflegealltag integriert und was 2026 gemeinsam mit der Energie BKK geplant ist.
Stürze gehören zu den häufigsten und folgenreichsten Ereignissen in der stationären Pflege. Sie können nicht nur körperliche Verletzungen verursachen – von Prellungen bis zu Oberschenkelhalsbrüchen –, sondern auch die Selbstständigkeit und das Sicherheitsgefühl pflegebedürftiger Menschen nachhaltig beeinträchtigen. Gleichzeitig stehen Pflegeteams vor der Herausforderung, Sturzrisiken systematisch zu erfassen und zu dokumentieren, ohne den Pflegealltag zu überlasten.
Genau hier setzt die LINDERA App zur Sturzprävention an: mit einer technologiegestützten, datenbasierten Methode, die fundierte Risikoanalysen ermöglicht und das Pflegeteam mit konkreten Handlungsempfehlungen unterstützt – schnell, intuitiv und direkt im Pflegealltag einsetzbar.
Die Pflegeeinrichtung Cura Winsen in Niedersachsen hat die LINDERA App als festen Bestandteil ihres Pflegekonzepts etabliert. Einrichtungsleitung Ariane Marschke beschreibt den Ansatz klar: Es geht nicht darum, eine weitere Checkliste abzuarbeiten – sondern darum, das Sturzrisiko jedes einzelnen Bewohners wirklich zu verstehen und präventiv zu handeln.
„Die Lindera App zur Sturzprävention nutzt moderne Technologien, um das Sturzrisiko fundiert zu bewerten. Mit Hilfe der App nehmen wir ein kurzes Video des Gangbildes unserer Bewohner auf – kombiniert mit relevanten Gesundheitsdaten wie Gewicht, verordneten Medikamenten und weiteren individuellen Faktoren entsteht eine präzise Risikoanalyse. Basierend auf diesem Ergebnis erhalten wir maßgeschneiderte Präventions-Tipps, Übungen und Empfehlungen zur Anpassung des Alltags, um Stürzen gezielt vorzubeugen. Ziel ist es, mehr Sicherheit, Selbstständigkeit und Lebensqualität im Alltag zu ermöglichen – jederzeit, intuitiv und sicher."
Was dieses Zitat so wertvoll macht: Es zeigt, dass Sturzprävention mit LINDERA nicht als isolierte Maßnahme verstanden wird, sondern als integrierter Teil einer professionalisierten Pflege. Das Team in Winsen hat die App nicht nur eingeführt – sie nutzen sie aktiv, reflektieren die Ergebnisse und leiten konkrete Schritte ab.
Die LINDERA Methode verbindet zwei Evidenzstränge, die in der traditionellen Pflegeprozessdokumentation oft getrennt bleiben: Bewegungsdiagnostik und individuelle Gesundheitsdaten. Das Ergebnis ist eine multimodale Risikoanalyse, die deutlich präziser ist als standardisierte Assessments allein.
Ein kurzes Video zeigt, wie der Bewohner geht – Schritttempo, Schrittbreite, Gleichgewicht, Körperhaltung. Die KI-Analyse identifiziert sturzrelevante Gangparameter innerhalb von Sekunden.
Körpergewicht, verordnete Medikamente (inkl. Sturzrisiko-Medikamente) und weitere individuelle Faktoren werden mit der Gangbildanalyse kombiniert.
Aus der Datenkombination entsteht ein individuelles Risikoprofil – nachvollziehbar, dokumentierbar und für das gesamte Pflegeteam verständlich aufbereitet.
Das Team erhält konkrete Übungen, Alltagsanpassungen und Empfehlungen zur Umgebungsgestaltung – abgestimmt auf das spezifische Risikoprofil der Person - und das Gruppenprofil der Einrichtung.
Ein besonderes Augenmerk legt Cura Winsen auf die Vertiefung der bewegungsbezogenen Empfehlungen aus der LINDERA App. Ariane Marschke formuliert es klar: „Schließlich kräftigt Bewegung den Körper und kann vor Stürzen schützen."
Die LINDERA App identifiziert nicht nur das Sturzrisiko – sie gibt konkrete Hinweise, welche Art von Bewegungsangeboten für eine Person besonders geeignet sind: Gleichgewichtsübungen, Krafttraining der Beinmuskulatur, Tai-Chi-Elemente oder alltagsintegrierte Aktivitäten. Cura Winsen arbeitet daran, diese Empfehlungen noch tiefer in das Betreuungsangebot zu verankern – zum Beispiel, indem Erkenntnisse aus der App direkt in die Planung der wöchentlichen Bewegungsgruppen einfließen.
Das Foto der aktuellen Gymnastikgruppe, das Ariane Marschke ihrem Bericht beigefügt hat, steht symbolisch für diesen Ansatz: Prävention, die Freude macht und Menschen verbindet – nicht isolierte Einzelmaßnahme, sondern gelebte Gemeinschaft.
Die Zusammenarbeit zwischen Cura Winsen und LINDERA entwickelt sich weiter – und mit ihr ein wichtiger Partner: die Energie BKK. Die Krankenkasse engagiert sich aktiv für präventive Versorgungsansätze und erkennt in der evidenzbasierten Mobilisierung gemäß Leitfaden Prävention nach §5 SGB XI einen zentralen Hebel zur Vermeidung von Pflegebedürftigkeit und kostenintensiven Krankenhausaufenthalten.
Im Rahmen der Kooperation führe ich – Uliana Poloz, Customer Success Managerin bei LINDERA – einen Workshop durch, der drei Dimensionen verbindet: den praktischen Einsatz der LINDERA App im Pflegealltag, die Auswertung bisheriger Ergebnisse und einen exklusiven Einblick in die Weiterentwicklung der LINDERA Empfehlungsdatenbank. Ziel ist es, die Präventionskette von der Risikoerkennung bis zur Maßnahme noch enger zu schließen.